Pädagogisches Konzept

1. Die Biologische Station Haus Bürgel e. V.

Die Biologische Station ist ein gemeinnütziger Verein, dessen wichtigste Aufgaben der Naturschutz und die Umweltbildung sind.

Für die Stadt Düsseldorf und den Kreis Mettmann betreuen wir verschiedenen Natur- und Landschaftsschutzgebiete in unserer Region. Dabei steht der Schutz von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen im Vordergrund. Zu diesem Zweck erfassen wir Daten und planen Maßnahmen. Auch die Entwicklung neuer Naturoasen sowie die Wiederherstellung gestörter Lebensräume, beispielsweise durch die Renaturierung natürlicher Flussläufe oder die Wiedervernässung von Mooren, gehören zu unseren Aufgaben. Dabei verstehen wir uns als Bindeglied zwischen dem haupt- und ehrenamtlichen Naturschutz und werden vielfältig von unserem großen Netzwerk an ehrenamtlich Helfenden unterstützt. Bei der Umsetzung unserer Naturschutzarbeit ist eine enge Zusammenarbeit mit den Landwirten unerlässlich. Zudem vermarkten wir regionale Produkte wie Obst, Apfelsaft, Honig und unterstützen weitere Produzenten bei der Vermarktung regionaler Produkte.

Die zweite Säule unserer Arbeit ist die Umweltbildung. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen für die Natur zu begeistern und sie zu verantwortlichem Handeln anzuregen. Für die Kindertagesstätten und Schulen unserer Region bieten wir ein vielfältiges, aktives Bildungsangebot, das sich stetig weiterentwickelt. Unsere Angebote differenzieren wir in die Kategorien Naturerfahrung, Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (siehe Punkt 3.1), so dass jede Gruppe angepasst an ihre Ziele und Zeitressourcen passende Angebote findet. 
In unserem breit gefächerten, halbjährlich erscheinenden Veranstaltungsprogramm finden sich wechselnde Exkursionen, Vorträge und Mitmach-Aktionen für alle Interessierten. Auch die Entwicklung von Informationsschildern und die Besucherlenkung in Schutzgebieten gehört zu unseren Aufgaben.
Als Biologische Station der Stadt Düsseldorf und des Kreises Mettmann bieten wir darüber hinaus auch Bildungsangebote und Exkursionen in die besonderen Naturräume unseres Betreuungsgebietes an wie z. B. in Heidegebiete, Moore, urbane Räumen sowie durch Sand- und Kiesabgrabungen gestaltete Flächen.

 

2. Institutionelle Grundlagen für unser Bildungsangebot

Inmitten der Rheinaue Urdenbacher Kämpe zwischen Düsseldorf und Monheim am Rhein liegt Haus Bürgel, ein mittelalterliches Lehnsgut und ehemaliges römisches Kastell. Hier hat die Biologische Station Haus Bürgel e. V. ihren Sitz. Die Rheinaue ist wie eine grüne Oase im eng verzahnten Ballungsgebiet zwischen den beiden Städten gelegen und sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Die Urdenbacher Kämpe ist eine der letzten noch regelmäßig überfluteten Auenlandschaften am Niederrhein. Hier findet sich auf kleinem Raum eine reiche Tier- und Pflanzenwelt sowie eine große Vielfalt an verschiedenen Lebensräumen. Neben dem breiten Rhein bietet die Urdenbacher Kämpe Auenlandschaften sowie artenreiche Mähwiesen, Feuchtwiesen, Hochstaudenfluren und Streuobstwiesen mit vielen alten und überwiegend regionalen Apfelsorten. Direkt hinter dem Haus liegt unser Teich, an dem viele der Umweltbildungsangebote stattfinden. Der alte Gutshof selbst ist von Pferdeweiden umgeben. Bei gutem Wetter kann man hier die Rheinischen Kaltblutpferde der Familie Reuter sehen, die seit vielen Jahrzehnten hier gezüchtet werden und inzwischen sehr selten sind. Im Jahr 1864 wurde im Obstgarten von Haus Bürgel ein bis dahin unbekannter Apfelbaum entdeckt. Seine Äpfel bekamen den Namen „Kaiser Wilhelm“ und stehen heute auf Obstwiesen in ganz Deutschland. Doch die Geschichte des Ortes reicht noch viel weiter zurück: Das ehemalige Römerkastell ist ein Bau- und Bodendenkmal mit einer über 2.000-jährigen Geschichte. In ihm ist heute das Römische Museum untergebracht. Seit dem 27. Juli 2021 ist Haus Bürgel als Teil des Niedergermanischen Limes als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet und damit eine von sechs Welterbestätten in Nordrhein-Westfalen.

 

2.1 Ökologisches Umfeld Alter Gutshof

Der alte Gutshof selbst bietet ein durchdachtes, ökologisches Umfeld. Durch verschiedene Aufwertungen wie Nisthilfen für Vögel und Bienen, sowie durch seine Beschaffenheit als altes Gebäude mit Scheunen, Mauern und Ställen, gibt es viele ökologische Nischen, in denen sich zahlreiche Bewohner wohl fühlen. Hier können Kinder, Schüler:innen und Besucher:innen hautnah Vögel, Amphibien und Insekten aus nächster Nähe kennenlernen und praxisnah erfahren, was jede:r Einzelne in seinem Umfeld für ihren Schutz tun kann. 

Im Garten laden neben den römischen Spuren im Mauerwerk auch die Beete mit Nahrungs- und Nutzpflanzen zu einer Zeitreise ein. Sie wurden so angelegt, dass man der Kultivierung bestimmter Nutzpflanzen im Laufe der Jahrhunderte „von Beet zu Beet“ folgen kann. Dieses Umfeld eignet sich ideal, um naturnahes und torffreies Bewirtschaften eines Gartens sowie die Geschichte verschiedener Nutzpflanzen kennenzulernen.

 

2.2 Streuobstwiesen

Direkt vor Haus Bürgel befindet sich unsere Muster-Streuobstwiese, auf der etwa 30 alte Obstsorten wachsen. Die Bäume tragen Informationsschilder mit Beschreibungen zu den jeweiligen Sorten. Die Wiese ist auch für weniger mobile Menschen leicht zugänglich und zeigt gut gepflegte Obstbäume sowie eine beispielhafte Strukturvielfalt mit Hecken und Totholzhaufen. Zudem lassen sich hier mehrere Honigbienenvölker sowie in einem angelegten Sandarium viele verschiedene Wildbienen beobachten. Auf dieser Wiese finden viele Bildungsangebote für Kindertagesstätten und Schulen sowie Obstbaumschnittkurse statt.

 

2.3 Teich

Ebenfalls direkt am Haus liegt unser Teich. Mit seinem Steg, den Bänken, und den sanitären Anlagen bietet er eine optimale, sichere und ruhige Umgebung für Bildungsangebote zum Lebensraum Teich und eine Atmosphäre, die das Lernen fördert. Unser Teich ist ökologisch wertvoll angelegt und beheimatet die Artenvielfalt der Urdenbacher Kämpe. Der große Vorteil ist jedoch, dass hier praxisorientiertes Lernen ohne die Einschränkungen und Gebote eines Naturschutzgebietes möglich ist.

 

2.4 Rheinaue

Eingebettet in eine Schleife des Rheins bietet der breite Strom mit seinen Kiesufern viele Ansatzpunkte, um ökonomische und kulturelle Aspekte mit einzubeziehen. Anhand der vorbeiziehenden Schiffe lassen sich beispielsweise Geologie, Klimawandel sowie Wirtschaft und Konsum praxisnah in einen Zusammenhang zum Naturschutz bringen. Bei jedem Hochwasser wird die gewaltige Macht des Wassers, aber auch die Bedeutung von Auen für den Hochwasserschutz deutlich. Seit der Renaturierung des ehemals stark begradigten Altrheins im Jahr 2014 entwickelt sich bei Urdenbach eine spannende Auenlandschaft, die vielfältige Einblicke in diesen besonderen Lebensraum und in die Umsetzung eines dynamischen Gewässerentwicklungsprojekts bietet.

 

2.5 Historie, Landwirtschaft und Kultur

Eine weitere Besonderheit ist die gemeinsame Nutzung des Standorts Haus Bürgel zusammen mit dem Römischen Museum, dem landwirtschaftlichen Betrieb der Kaltblutpferdezucht Reuter und der Biologischen Station. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit macht den lebendigen Charakter von Haus Bürgel aus. Mit den Schwerpunkten Heimat, Naturschutz, Kultur- und Denkmalpflege erfüllt Haus Bürgel vorbildlich alle Stiftungsziele des Eigentümers NRW-Stiftung. Durch ein gemeinsames Gruppen- und Veranstaltungsprogramm aller drei genannten Akteure, einen gemeinsamen Aktionstag (Tag des offenen Denkmals/offenen Tür) sowie das Zusammenleben auf den gemeinsam genutzten Flächen wie dem historischen Nutzgarten leben wir täglich die Ziele der von uns gemeinsam gegründeten Dachmarke.

3. Ziele unserer Bildungsarbeit

3.1 Durch Naturerfahrung zu handlungsorientiertem und eigenverantwortlichem Lernen

Wir möchten bei Kindern, Schüler:innen und Erwachsenen die Liebe zur Natur wecken und erhalten. Wir sind überzeugt, dass eine emotionale Bindung zur Natur der Schlüssel zu einem Handeln für eine bessere Welt für alle ist. Unser Ziel ist es, allen Teilnehmenden – egal in welchem Alter – ein selbsttätiges, handlungsorientiertes und eigenverantwortliches Lernen zu ermöglichen. Durch eigene Entdeckungen wird das Interesse an Naturphänomenen und zukunftsrelevanten Konflikten geweckt. Durch das eigenverantwortliche Tun können sie den Schritt vom Wissen zum Handeln vollziehen.

Allerdings fehlen vielen Kindern und Jugendlichen zunehmend Berührungspunkte mit der Natur. Immer weniger von ihnen haben die Möglichkeit, draußen zu spielen und zu entdecken, während zunehmend mehr Kinder und Jugendliche in der virtuellen Welt unterwegs sind. Hier gilt es erst einmal wieder „Kontakt“ mit der Natur aufzunehmen und mögliche Berührungsängste abzubauen. Deshalb haben die klassische Naturerfahrung und Umweltbildung immer noch einen großen Stellenwert in unserer Bildungsarbeit. All unsere Angebote für Kindertagesstätten und Schulen sind deshalb in drei definierte Kategorien eingeordnet.

Bei der Naturerfahrung steht das Erleben der Natur im Vordergrund wie beispielsweise der korrekte Umgang mit Wildtieren, das Probieren von essbaren Pflanzen und Sinneserfahrungen. Das Ziel der Naturerfahrung ist es, einen Zugang zur Natur zu schaffen, vielfältige Sinneseindrücke zu sammeln und sich selbst in der Natur zu erfahren. Nebenbei fördern die Beschäftigung und Bewegung mit und in der Natur die Motorik, das Selbstbewusst und die kognitive Entwicklung. 

Unter Umweltbildung verstehen wir Bildung mit, über und durch die Umwelt. Fundamentale Ziele sind das Aneignen von Naturwissen und das Erkunden von ökologischen Zusammenhängen. Mithilfe von Impulsen und Hilfestellungen möchten wir die Teilnehmenden dazu motivieren, natürliche Kreisläufe zu beobachten, selbstständig zu erforschen und zu erläutern. Unser Ziel ist es, ein Umweltbewusstsein aufzubauen und einen wertschätzenden Umgang mit der Natur zu fördern.

Das Konzept der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) geht über das Naturerlebnis und die naturwissenschaftlichen Informationen der ersten beiden Kategorien hinaus. Es unterstützt uns dabei, unseren Beitrag zur notwendigen Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit zu leisten. BNE befähigt Menschen, nachhaltiger zu leben und Verantwortung für die Welt von morgen zu übernehmen. Im Kern zielt BNE darauf ab, Wissen, Werte und Kompetenzen zu vermitteln, die für ein ökologisch, sozial und wirtschaftlich verantwortungsbewusstes Handeln notwendig sind. Dabei geht es nicht nur um die Zusammenhänge dieser drei Dimensionen, sondern auch um die Auswirkungen unseres Handelns auf Lebewesen in allen Teilen der Erde und auf zukünftige Generationen.

Dies entspricht unserem Verständnis von Bildung, wie wir es seit Jahrzehnten leben, und bildet den Rahmen, an dem sich unser Bildungsangebot auch in Zukunft orientieren, messen und weiterentwickeln soll. 

 

3.2 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

Den konzeptionellen Rahmen unserer BNE-Bildungsangebote bildet das gesellschaftspolitische Konzept der nachhaltigen Entwicklung, wie sie durch die Vereinten Nationen (UN) erarbeitet und weiterentwickelt wird. Die Bedeutung einer Entwicklungsweise, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Gestaltungsmöglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden – wie im Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987 formuliert – ist im Naturschutz schon lange klar. Bei unseren Angeboten orientieren wir uns deshalb an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und betrachten die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei wollen wir ein grundlegendes Verständnis schaffen, das menschliches Handeln immer mit Prozessen in Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft verknüpft sind. Dadurch machen die Teilnehmenden die Erfahrung, dass jeder Einzelne durch das eigene Handeln nachhaltige Entwicklungen vor Ort und in der Welt anstoßen kann. Dabei wird deutlich, dass jede:r Einzelne die Verantwortung für sein Handeln hat und mit seinen Entscheidungen das Leben von Lebewesen hier und an anderen Orten auf der Welt sowie von heute lebenden und zukünftigen Generationen beeinflusst. Dabei sprechen wir insbesondere die Ziele 4 (Hochwertige Bildung), 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden), 12 (Nachhaltiger Konsum und Produktion), 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und 15 (Leben an Land) an.

 

3.3 Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005–2014) war ein wesentlicher Meilenstein in der Entwicklung der BNE. Sie war ein wichtiger Schritt, um den Fokus auf die Integration von Nachhaltigkeitsthemen nicht nur in außerschulischen Lernorten, sondern auch in Bildungsplänen und -inhalten zu legen. Zum Abschluss der Dekade fand der UN-Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung in New York statt. Alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen nahmen daran teil und einigten sich auf die „Agenda 2030” mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ ist somit eine weltweite Verpflichtung, die bis zum Jahr 2030 eine nachhaltige Zukunft für alle schaffen soll. Mithilfe der 17 Nachhaltigkeitsziele sollen globale Probleme wie Armut, Ungleichheit und Klimawandel angegangen werden, während gleichzeitig bessere Lebensbedingungen, Chancengleichheit und eine gesunde Umwelt für alle Menschen auf der Welt gesichert werden sollen. Der in der Agenda 2030 formulierte Bildungsauftrag bekräftigt uns in unserem Verständnis von Bildungsarbeit. Hier wird die Bedeutung außerschulischer Bildungseinrichtungen als Ergänzung zur formalen Bildung besonders hervorgehoben. Auch das neue Programm „BNE 2030” hebt die Bedeutung von Bildung für eine gerechtere und nachhaltigere Welt hervor und führt mit dem „Whole Institution Approach” einen neuen Ansatz ein. Wir verstehen diese Herangehensweise für die Biologische Station so, dass unser Fokus nicht nur auf der Entwicklung unseres Bildungsangebots liegt, sondern dass auch unser gesamter beruflicher Alltag immer wieder auf Nachhaltigkeit hinterfragt werden soll.

 

3.4 Unsere Einrichtung als gesellschaftspolitischer Akteur

Wir verstehen uns als politisch aktive Einrichtung, denn wir stellen uns aktuellen gesellschaftspolitischen Themen. In unseren Veranstaltungsangeboten greifen wir Probleme wie das Insektensterben, den Klimawandel und den Arten- und Sortenschwund auf und stellen praxisnahe Lösungen vor.

Es ist uns ein großes Anliegen, Menschen für die Vielfalt der Natur zu begeistern und positive Ansätze aufzuzeigen und erlebbar zu machen. Unser ausgesprochenes Ziel ist es dabei, nicht mit erhobenem Zeigefinger Verhaltensmaxime vorzugeben, sondern die Eigenverantwortung und persönliche Abwägung zu stärken. Deshalb ist uns wichtig, auch Widersprüche, Unwägbarkeiten, Dilemmata und Risiken sowie Interessen- und Zielkonflikte in unseren Bildungsveranstaltungen zu thematisieren. Über die erlebte Naturerfahrung und die Vermittlung von Zusammenhängen in Wirtschaftskreisläufen, Politik und sozialen Interessen, können die Teilnehmer ihre eigenen Werte überdenken und ihre Handlungskompetenz und das Veränderungspotenzial als Verbraucher, Berufstätige, Mitglieder von Organisationen aller Art sowie als Bürger:innen unseres Staates erkennen.

4. Umsetzung unserer Bildungsarbeit

4.1 Kompetenzorientiert 

Bei der inhaltlichen Gestaltung unserer Kurse orientieren wir uns an den Bildungsgrundsätzen für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich in Nordrhein-Westfalen, an den Kernlehrplänen der Schulen sowie an der Leitlinie BNE des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW und am Beutelsbacher Konsens der politischen Bildung. Ergänzend dazu berücksichtigen wir die Prinzipien der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Vor diesem Hintergrund verknüpfen wir in unserer Bildungsarbeit die Ansätze der Bildung für nachhaltige Entwicklung mit denen der Montessori-Pädagogik. Beide Ansätze basieren auf vergleichbaren Grundhaltungen, insbesondere auf Achtsamkeit gegenüber der Umwelt, Selbstbestimmung, Verantwortungsübernahme und sozialem Miteinander. Sie verfolgen das Ziel, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu selbstbestimmten, reflektierten und verantwortungsvollen Persönlichkeiten zu unterstützen. Die starke Übereinstimmung von Zielen und Inhalten dieser beiden Bildungsansätze und mit den Wertvorstellungen unserer Einrichtung veranlassen uns dazu, unsere Bildungsarbeit maßgeblich nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik auszurichten.

Das Grundprinzip nach Montessori lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Dieser Leitsatz bildet die Grundlage für unsere Praxisphase in unseren Bildungsangeboten. Wir bieten den Teilnehmenden mithilfe von Materialien wie Keschern, Becherlupen und Bestimmungshilfen sowie einer entsprechenden Lernumgebung den Rahmen, um die heimische Natur selbst zu entdecken und zu erforschen. Durch das gezielte Setzen von Impulsen motivieren wir sie, neugierig und positiv an diesen Lernprozess heranzugehen und sich auf diese Erfahrung einzulassen. Auf diese Weise werden insbesondere Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung gefördert.

Darüber hinaus orientiert sich die Reflexionsphase unserer Bildungsangebote an dem Leitgedanken „Befähige mich zum nachhaltigen Handeln“, der sowohl ein zentrales Ziel der BNE-Leitlinie widerspiegelt als auch den Abschluss unserer Angebote prägt. In dieser Phase werden die Beobachtungen, Erfahrungen und Ergebnisse der Teilnehmenden in Zusammenhänge eingeordnet und mehrdimensional betrachtet. Mithilfe gezielter Fragestellungen und Impulse werden Dilemmata sichtbar gemacht und Diskussionen angeregt. Zudem identifizieren die Teilnehmenden eigene Handlungsmöglichkeiten sowie die Grenzen individuellen Handelns. Dabei werden insbesondere Kompetenzen wie systemisches Denken und der reflektierte Umgang mit Zielkonflikten gestärkt.

Auf Grundlage dieser Konzepte fördern unsere Angebote zentrale Kompetenzen wie vernetztes und kritisches Denken, Kooperationsfähigkeit, das eigenständige Entwickeln von Lösungen sowie das bewusste Treffen von Entscheidungen. Diese sind sowohl in der Montessori-Pädagogik als auch in der Bildung für nachhaltige Entwicklung von grundlegender Bedeutung, um Menschen zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Wir sind daher der Auffassung, dass die Montessori-Pädagogik eine etablierte Struktur für die altersgerechte und bedürfnisorientierte Umsetzung von BNE bietet.

 

4.2 Praxisorientiert und partizipativ

Unser Verständnis von Bildung ist praxisorientiert. Mit unseren Angeboten fördern wir aktives Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“ - Kompetenzen im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Wir möchten etwas bewegen, anpacken für die Natur und diesen Tatendrang weitergeben. Bei unserer Bildungsarbeit ist uns zudem Partizipation sehr wichtig. So haben wir beispielsweise die Besucher:innen der Urdenbacher Kämpe bei der Neugestaltung der Besucherinformationen beteiligt oder Naturerfahrungsräume im urbanen Raum geschaffen, in denen Kinder und Jugendliche selbst entscheiden und gestalten können. Wir bieten unseren Teilnehmenden jeden Alters einen Rahmen für Kompetenzerwerb an, der sie befähigt an der notwendigen Transformation unserer Gesellschaft mitzuwirken. Insofern bekräftigt uns der in der Agenda 2030 formulierte Bildungsauftrag in unserem Verständnis von Bildungsarbeit, wie wir sie schon seit Jahrzehnten erarbeiten und anbieten.

 

4.3 Didaktik und Methodik unserer Bildungsangebote

Unsere pädagogischen Programme sind von gezielten didaktischen Wechseln zwischen Einzelübungen, Aktionen in der Gesamtgruppe sowie Kleingruppen- und Partner*innenarbeit geprägt. Der Aufbau des Kurses orientiert sich dabei stets an der folgenden Struktur. Wir beginnen unsere Kursangebote mit einem Einstieg, bei dem wir an die Lebenswirklichkeit und das Vorwissen der Lernenden anknüpfen. Dabei greifen wir eine BNE-relevante Fragestellung auf, die den roten Faden des Kurses darstellt. Dazu nutzen wir z. B. Geschichten und Bildbetrachtungen, ermöglichen gezielte Sinneserfahrungen oder steigen über Naturerlebnisspiele in das Thema ein. Darauf folgt die Praxisphase, die den größten zeitlichen Rahmen einnimmt. Uns ist es besonders wichtig, dass sich die Lernenden eigenverantwortlich und praktisch mit einem Thema auseinandersetzen können. Der Schwerpunkt dieser Phase liegt auf dem selbstständigen, praxisorientierten und kooperativen Arbeiten. Dafür nutzen wir z. B. Methodenlernen, Angebote zum eigenständigen Erforschen, aber auch Rollenspiele, Quizze oder Kooperationsspiele. Im Anschluss besprechen wir die gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse der Lernenden und fassen sie durch Wissensvermittlung zusammen. Durch die abschließende Reflexion werden Dilemmata deutlich, die vor dem Hintergrund der Einstiegsfrage diskutiert werden. Diese können z. B. durch ein Planspiel oder Gespräche deutlich werden. Zum Abschluss des Kurses sollen alltagstaugliche Handlungsmöglichkeiten gefunden werden. Dabei machen die Lernenden die Erfahrung, dass es nicht die eine „Lösung“ für ein Problem gibt, sondern dass Kompromisse gefunden werden müssen. Jede:r Einzelne kann und muss für sich selbst entscheiden, welche Konsequenzen sich daraus für sein Leben ergeben. Wir sehen unsere Veranstaltung dabei immer als Einladung, sich über unsere Bildungsveranstaltung hinaus in der Einrichtung und im alltäglichen Leben mit der Thematik zu beschäftigen. Zum Abschluss ist es für uns sehr wichtig, noch eine Feedback-Runde anzubieten. Dies erfolgt beispielsweise über eine Gesprächsrunde oder Methoden wie Blitzlicht oder die Vier-Ecken-Methode.

4.4 Zielgruppen

Unsere Angebote richten sich an alle Menschen. Wir passen die Vermittlung der Inhalte und Methoden dabei an die jeweilige Alters- und Entwicklungsstufe der Zielgruppe an. Bei unseren Veranstaltungen geben wir die Barrierefreiheit mithilfe von dem Icon-Sets „Mensch & Barrierefreiheit“: anatom5 GmbH, Natko e.V. an.

Wir bieten ein umfangreiches Bildungsangebot für die nonformale und formale Bildung von der Kindertagesstätte bis zur Oberstufe an, aber auch außerschulische Veranstaltungen und Exkursionen, Vorträge und Landschaftspflegeeinsätze für Erwachsene.

 

4.5 Pädagogische Arbeit als Teamwork

Unsere Arbeit ist geprägt von Kreativität und Teamgeist sowie einem gleichberechtigten, sozialen und zukunftsorientierten Miteinander. Ein regelmäßiger Austausch zwischen den Mitarbeitenden der Umweltbildung über neue Formate, aber auch über die „eingespielten Klassikern“ sichert eine stetige Verbesserung in der Umsetzung und eine hohe Qualität der Angebote. Zusätzlich dazu finden mindestens ein- bis zweimal im Jahr Runden mit allen wissenschaftlichen Mitarbeitenden und der Leitung statt. In diesen stellen wir Ideen vor und entwickeln gemeinsam neue Projekte und Bildungsangebote. Dabei bereichern die gemachten Erfahrungen und verschiedenen Hintergründe in unserem Team die Gestaltung unserer Bildungsangebote und Projekte. 

 

4.5 Mehrwert durch Vernetzung

Unser Veranstaltungsprogramm mit Exkursionen zu verschiedenen Themen und Gebieten, teilweise mit unterschiedlichen Kooperationspartnern wie den Volkshochschulen, dem Naturkundemuseum Benrath, der Kompostberatung der AWISTA oder verschiedenen Landwirten, hält viele nachhaltige Anregungen bereit.

Die breite Vernetzung mit aktiven gesellschaftlichen Gruppen spiegelt sich beispielsweise auch beim Tag der offenen Tür wider. Hier präsentieren sich diverse NGOs, von Naturschutzverbänden über den Ernährungsrat Düsseldorf, dem Verein zur Erhaltung alter Nutzpflanzen, bis zur Bürgerinitiative Hafenalarm. Die Biologische Station ist Mitglied im Ernährungsrat und im Beirat der Regionalbewegung. Hier unterstützen und werben wir für regionale Wirtschaftskreisläufe. 

 

4.6 Mehrwert durch institutionalisierte Kooperation

Unser Ziel ist es zudem, neben den Einzelveranstaltungen möglichst langfristige und nachhaltige Angebote zu schaffen. Durch eine systematische und auf Dauer angelegte Kooperation sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um naturwissenschaftliche Bildung im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung gemeinsam optimal zu fördern. Zu diesem Zweck pflegen wir mit einer Kindertageseinrichtung und vier Schulen aus dem Kreis Mettmann und der Stadt Düsseldorf Bildungspartnerschaften. Je nach Bildungsträger und internen Schwerpunkten der Einrichtung werden gemeinsame Aktivitäten wie Exkursionen oder Projekte vertraglich abgestimmt und jährlich durchgeführt. Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren ehrenamtlichen Helfer:innen schaffen wir auch für Erwachsene eine Möglichkeit für nachhaltiges Engagement und Handeln. So konnten wir in den Jahren 2019 und 2020 in Kooperation mit der Naturschutzakademie in Recklinghausen (NUA) im Projekt „Ehrenamt im Naturschutz stärken“ das ehrenamtliche Engagement durch eine „Ausbildung“ mit Themen-Wochenenden und einer abschließenden Prüfung fördern und unser Netzwerk erweitern. Zudem gibt es mehrere Ehrenamtsgruppen, die sich wöchentlich treffen und im Garten oder bei Landschaftspflegeeinsätzen aktiv werden. Ein weiteres gelungenes Beispiel für den Aufbau einer nachhaltigen Zusammenarbeit sind die „AuenErlebnisbegleiter:innen“. Sie wurden 2014 im Rahmen des Projektes „AuenBlicke“ in Kooperation mit der NUA ausgebildet. Seitdem bieten sie als Multiplikator:innen regelmäßig einmal im Monat und auf Anfrage Führungen durch die Urdenbacher Kämpe zu verschiedenen Themen an.

5. Evaluation

Die Evaluation erfolgt aktuell noch für einzelne Angebote und Projekte unterschiedlich. So gibt es für konzipierte Unterrichtsreihen, bei denen Schüler:innen mehrere Einheiten zu einer Thematik wie beispielsweise zur heimischen Vogelwelt oder Amphibien und deren Schutz in der Schule erhalten, einen Evaluationsbogen für die Lehrkräfte sowie eine Wissenskontrolle. Andere Angebote werden vor allem über abschließende mündliche Feedback-Runden evaluiert: Mit Kindern und Schüler:innen erfolgt dies meist in Form eines Stellspiels, der Fünf-Finger-Methode o. Ä., mit den Lehrkräften oder bei Veranstaltungen für Erwachsene in Form einer freien Reflektionsrunde mit einer Erwartungsabfrage und Raum für Verbesserungsvorschläge. Diese wertvollen Hinweise arbeiten wir kontinuierlich in unsere Angebote ein.

Intern erfolgt nach neuen Angeboten und standardmäßig quartalsweise eine Reflexion der Angebote und deren Umsetzung mit den Mitarbeitenden der Umweltbildung und der wissenschaftlichen Leitung. Neue Angebote und neue Mitarbeitende werden durch die wissenschaftliche Leitung begleitet und evaluiert.

Im Zuge der Zertifizierung ist deutlich geworden, dass wir eine systematischere Evaluierung unserer Angebote benötigen. In den nächsten Jahren möchten wir unseren Fokus daher auf eine systematische Evaluierung der BNE-Angebote richten.

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