Der Botanische Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) hat in den vergangenen zwei Jahren für die Biologische Station Haus Bürgel 100 Pflanzen des seltenen Sumpf-Greiskrauts (Senecio paludosus) angezogen. Das Sumpf-Greiskraut ist eine stark gefährdete Pflanze, die nur in Auenlandschaften entlang von großen Flüssen vorkommt. Der nächstgelegene größere Bestand entlang des Rheins kommt im Kreis Wesel vor. Die Biologische Station Haus Bürgel hat das Saatgut für die Anzucht der Pflanzen in dem Naturschutzgebiet Bislicher Inseln im Kreis Wesel gesammelt.
Gärtnermeisterin Larissa Sieben vom Botanischen Garten erläutert dazu: „Der botanische Artenschutz ist eine Hauptaufgabe Botanischer Gärten. Im Botanischen Garten der HHU erhalten und vermehren wir viele seltene Pflanzenarten. In Zusammenarbeit mit Behörden und Naturschutz-Institutionen wie der Biologischen Station können wir auf diese Weise auch dazu beitragen, vom Aussterben bedrohter Arten erfolgreich in ihren natürlichen Lebensräumen wieder anzusiedeln. Denn so schön Pflanzen im Garten auch sind, der Ort, an dem sie ihr volles Potenzial entfalten können, ist die Natur."
Die jungen Pflanzen wurden jetzt entlang des Urdenbacher Altrheins auf geeigneten Standorten gepflanzt, um dort wieder einen stabilen Bestand dieser seltenen Art aufzubauen. Das Sumpf-Greiskraut kam hier schon früher mit wenigen Exemplaren vor, war aber in den letzten Jahren verschwunden. Mit der Renaturierung des Urdenbacher Altrheins im Süden von Düsseldorf vor mehr als zehn Jahren haben sich dort wieder nasse, zeitweilig überflutete Flächen entwickelt, wo die Art gut wachsen kann. Die Pflanzen können Wuchshöhen von mehr als zwei Metern erreichen und tragen gelbe Blütenstände.
Ein Problem beim Auspflanzen junger Pflanzen in der Natur ist oft der Schneckenfraß. Beim Sumpf-Greiskraut sind die Naturschützer jedoch optimistisch, dass die Schnecken diese verschonen werden. Denn auch im Botanischen Garten wurden die Jungpflanzen weitgehend von den Schnecken gemieden.
Das Ausbringen von Pflanzen in Naturschutzgebieten ist gesetzlich geregelt und darf nur mit einer Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde erfolgen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass einerseits keine gebietsfremden Arten eingebracht, andererseits aber auch Pflanzen aus regionaler Herkunft nur kontrolliert und in naturschutzfachlich sinnvollem Maße ergänzt werden.
Für die Stadt Düsseldorf wurde das Sumpf-Greiskraut im Biodiversitätskonzept als Zielart für die Rheinauen identifiziert. „Die Zielarten stehen stellvertretend für die Lebensräume in denen sie vorkommen. Von Maßnahmen, die die Lebensräume der Zielarten unterstützen, profitieren auch viele weitere seltene Arten“ erklärt der Biodiversitätsbeauftragte bei der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Düsseldorf Tobias Krause. „Nachdem der Lebensraum durch die Renaturierung am Urdenbacher Altrhein wiederhergestellt werden konnte, kann die Art nun in das Naturschutzgebiet zurückkehren.“
Die neuen Standorte werden markiert und mit GPS vermessen. „In den kommenden Jahren können wir so die Entwicklung der Pflanzen beobachten und dokumentieren, wo sie sich am besten entwickeln“, erklärt die Botanikerin Stefanie Egeling von der Biologischen Station Haus Bürgel.
Als weitere Art hat der Botanische Garten auch noch den ebenfalls sehr seltenen Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre) aus dem Eller Forst vermehrt. Der weißblühende Doldenblütler, der in lichten Erlenbruchwäldern und Seggenwiesen wächst, kam dort nur noch mit wenigen Exemplaren vor. Die Pflanzen werden in der nächsten Zeit auch dort auf geeigneten Flächen ausgepflanzt.
Fotos: HHU / Lara Müller